Ein wissenschaftliches Tagebuch

Der in Zürich lebende Künstler Urs Lengwiler entschloss sich 1995 mitten in der Arbeit an einer Dissertation im Bereich Biologie dazu, seine Kreativität und die bisherigen Erfahrungen in Kunstwerken zur Darstellung zu bringen. Eulen, Schlangen, alte wissenschaftliche Lehrbücher zur Biologie und künstlerisch verarbeitete Tagebuchauszüge bilden den Stoff für die Installation des Künstlers. So disparat dies auf den ersten Blick aussehen mag, auf inhaltlicher Ebene ergibt sich ein mehrschichtiges Netz von Zusammenhängen, baut sich ein Spannungsfeld auf zwischen Leben und Tod, in dem sich die Biologie bewegt. Kernpunkt der Ausstellung bilden Papierarbeiten von subtiler

Sensibilität. Sie stellen die private Ebene in der mehrschichtigen Inszenierung des Künstlers dar. Auf hundert oder mehr Jahre alten Papierstücken schreibt Urs Lengwiler Auszüge aus seinem Tagebuch von 1995. Durch Verwischungen, Übermalungen und Wachsauflagen wird die Lesbarkeit der persönlichen «Erinnerungsfetzen» zurückgenommen. Das Geheime des privaten Tagebuches hat sich zur Metapher des Festhaltens im sinnlichen Kunstwerk gewandelt. Die Inszenierung handelt von der Verantwortung des Künstlers in einer Zeit, in der das Materielle zunehmend den geistigen Horizont verstellt, und fordert auf zur Auseinandersetzung mit den existentiellen Fragen der Gegenwart.